Dunning-Kruger-Effekt: Warum sind alle so dumm?

Hattest du schon mal einen Moment, in dem du dich gefragt hast: „Dunning-Kruger-Effekt: Warum sind alle so dumm um mich herum?“. Lars startete die neue Folge von Generation Generisch genau mit dieser provokanten Frage. Auslöser war eine absurde Diskussion über Whiskey-Cola als „gesunde“ Alternative zu Bier. Doch steckt hinter diesem Gefühl vielleicht mehr als nur schlechte Argumente unserer Mitmenschen?

Die Whiskey-Cola-Logik und das Experten-Dilemma

Alles begann in München mit der steilen These, dass zwei Whiskey-Cola gesünder seien als vier Bier – wegen des geringeren Volumens. Lars fühlte sich in diesem Moment als unfreiwilliger Experte. Oft deklarieren wir andere schnell als „dumm“, weil wir ihren Denkprozess nicht verstehen. Wir sehen nur das (absurde) Ergebnis, aber nicht den Weg dorthin.

Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?

Berny bringt es auf den Punkt: Es ist oft eine Form der Selbstüberschätzung. Beim Dunning-Kruger-Effekt: Warum sind alle so dumm? geht es darum, dass Menschen mit wenig Ahnung oft am überzeugendsten auftreten. Wer wenig weiß, merkt oft gar nicht, was er alles nicht weiß. Das ist wie bei einem Berg: Unten denkst du, du hast alles verstanden, aber in der Mitte merkst du erst, wie wenig du eigentlich weißt.

Die Erosion von Expertise

Besonders gefährlich wird es bei „Google-Diagnosen“ oder Influencern. Viele Menschen treten trotz (oder wegen) ihres Unwissens extrem sicher auf. Das führt zu einer gefährlichen Erosion von echter Expertise. Wenn Unwissenheit laut wird und sich im Schneeballsystem verbreitet, wird es kritisch für die Gesellschaft.

Der Notausgang für dumme Antworten

Ein spannender Trick in Diskussionen ist der Satz: „Ich bin ja nicht schlau, aber...“. Laut Lars ist das ein genialer Selbstschutzmechanismus. Man entzieht der Diskussion die Grundlage, bevor sie überhaupt richtig beginnt. Es ist quasi der Notausgang für jede unqualifizierte Antwort.


Jetzt die ganze Folge hören!

Willst du wissen, was die KI zu Lars' Wutausbruch sagt? Und warum wir laut Berny eigentlich alle gleich klug sind – nur zu unterschiedlichen Zeiten? Dann hör jetzt rein:


Bereinigtes Transkript (Generation Generisch S2E04)

Lars: Vielleicht sollten wir uns das nächste Mal absprechen beim Intro. Du hast es geschafft, für drei Sekunden mal nichts zu sagen. Das müssen wir feiern. An meiner Seite: der liebe Berny. Ich bin ein bisschen geladen. Warum sind alle Menschen um mich herum so dumm?

Berny: Mein erster Impuls ist Abwehr. Nicht alle Menschen sind dumm. Aber ich kenne das Gefühl. Warum sind alle so dumm um mich herum und nur ich bin schlau? Wie bist du auf die Frage gekommen?

Lars: Es gibt viele Geschichten. Jedes Mal im Supermarkt an der Kasse. Oder im Verkehr. Am Wochenende war ich in München bei Freunden. Wir haben über Alkohol gesprochen. Es wurde ernsthaft die Meinung vertreten, dass es gesünder ist, statt vier Feierabendbier zwei Whiskey-Cola mit Cola Zero zu trinken. Weil das weniger Flüssigkeit ist. Man müsste weniger zum Kühlschrank laufen. Ich bin nicht der schlauste Mensch, aber ich bin nah dran.

Berny: Die Logik erschließt sich mir nicht. Bist du in dem Moment still oder versuchst du es zu erklären?

Lars: Ich hatte selber vier Bier im Kopf und wurde emotional. Ich frage mich: Warum trete ich als Experte auf, wenn ich gar keine Expertise habe? Geht das anderen auch so?

Berny: Ständig. Wir sehen oft nur das Ergebnis, nie den Denkprozess. Wir deklarieren etwas als dumm, weil wir den Gedanken dahinter nicht verstehen. Da spielt die Perspektive eine Rolle. Und Unwissenheit. Es gibt den Dunning-Krüger-Effekt. Das ist das Prinzip der Selbstüberschätzung. Wie bei einem Berg: Unten denkst du, du hast es verstanden. In der Mitte merkst du, dass du dich komplett selbst überschätzt hast. Oben weißt du viel, aber noch immer nicht alles. Je höher man kommt, desto leiser wird man.

Lars: Führt das dazu, dass man andere Sichtweisen mehr wertschätzt? Bei Lehrkräften gibt es einen Effekt: Wenn man zum 15. Mal Faust unterrichtet, stuft man Lerneffekte der Schüler herab, weil man selbst schon auf einem 4000er steht.

Berny: Dummheit ist kein Zustand, sondern eine Momentaufnahme. Jeder von uns war schon mal der Dumme im Raum. Vielleicht sind wir alle gleich klug, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Ich habe Faust in der 10. Klasse nicht verstanden, aber mit 35 Jahren schon.

Lars: Wir googeln heute unsere Symptome beim Arzt. Es findet eine Erosion von Expertise statt.

Berny: Menschen mit wenig Ahnung treten oft extrem überzeugend auf. Nicht trotz, sondern wegen ihres Unwissens. Wer wenig weiß, merkt nicht, was er alles nicht weiß.

Lars: Findest du das gefährlich?

Berny: Extrem gefährlich für einen selber und die Umwelt. Wenn sich jemand durch Google-Wissen selbst schadet, ist das natürliche Selektion. Gefährlich wird es, wenn man anderen Unwahrheiten als Wissen verkauft.

Lars: Ich muss an Influencer denken.

Berny: Influencer tun so, als wüssten sie etwas. Sie sind laut und bekommen ihr Publikum im Schneeballsystem dazu, auch laut zu sein. Das ist das beste Beispiel für den Dunning-Krüger-Effekt.

Lars: Es gibt auch den umgekehrten Effekt in politischen Diskussionen: „Ich bin kein schlauer Mensch, aber...“

Berny: Das sind Leute, die sich im Vorfeld disqualifizieren.

Lars: Ich glaube, das ist das Schlauste, was sie machen können. Es ist ein Selbstschutzmechanismus. Man kommt aus der Diskussion nicht mehr raus, weil sie sich schon vorher als „nicht schlau“ deklariert haben. Es ist ein Notausgang für eine dumme Antwort.

Berny: Was würde die KI zu Lars' Frage sagen?

Lars: Die KI sagt: „Es sind nicht alle dumm, aber Menschen denken anders oder langsamer.“ Kompetenz ist ungleich verteilt. Statistisch sind nicht alle gleich schlau, sonst bräuchte man keinen Intelligenzquotienten.

Berny: Eine hochentwickelte Alien-Rasse würde sagen, wir sind alle dumm.

Lars: Die KI rät: Man sollte sich zurücknehmen, die Perspektive des anderen übernehmen und im Zweifel die andere Meinung stehen lassen.

Berny: Ihr habt jetzt zwei Wochen Zeit, das zu verarbeiten. Kommentiert und abonniert den Podcast.

Lars: Lest auch mal ein Buch da draußen. Danke fürs Zuhören.