Macht KI uns dumm? Der grobe Selbstbetrug mit der Effizienz

Endlich wieder vereint: Berny und Lars melden sich mit der zweiten Staffel von Generation Generisch zurück. Wir starten direkt mit einer Frage, die uns beide umtreibt: Macht künstliche Intelligenz uns eigentlich dumm? Während Lars dieses Gefühl schon nach zehn Minuten Reels-Swipen auf Instagram verspürt, geht unsere Analyse tiefer: Verführt uns die KI dazu, das eigene Denken einzustellen?

Definition: Was ist Intelligenz eigentlich?

Um zu klären, ob wir dümmer werden, müssen wir definieren, was Intelligenz für uns bedeutet:

  • Zusammenhänge und Kommunikation: Intelligenz bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen, diese zu abstrahieren und Gedanken nach außen zu kommunizieren.

  • Problemlösungskompetenz: Ein wesentlicher Teil von Intelligenz ist die Anwendung von Wissen, um Probleme aktiv zu lösen.

Das Risiko besteht darin, dass KI-Modelle wie ChatGPT oder Gemini uns genau diese kognitiven Schritte immer öfter abnehmen.

Die Verführung der Bequemlichkeit

Wir Menschen suchen oft den Weg des geringsten Widerstands. KI fungiert hierbei als digitale Disruption für unsere Bequemlichkeit.

  • Delegation: Wir übertragen Aufgaben an die Technik, wie wir es früher beim Taschenrechner oder dem Navigationssystem getan haben.

  • Gefahr der Blindheit: Wer sich blind auf Technik verlässt, landet am Ende vielleicht in Genua statt in Genf, weil das eigene Mitdenken ausbleibt.

  • Output vor Herleitung: In unserer heutigen digitalen Kultur zählt oft nur noch das schnelle Ergebnis, nicht mehr der mühsame Weg der Herleitung.

Das sagt die Wissenschaft: Erfahrungslernen versus Modell-Lernen

Wissenschaftlich betrachtet ist die Art und Weise, wie wir lernen, entscheidend für unsere geistige Entwicklung:

  • Erfahrungslernen: Dies ist das Lernen durch eigenes Handeln und eigene Fehler. Durch KI verschiebt sich der Fokus weg vom eindrücklichen Erfahrungslernen hin zum Modell-Lernen, was den Lerneffekt verändern kann.

  • Der Denkmuskel: Das Denken funktioniert wie ein Muskel. Er bleibt nur leistungsfähig, wenn er regelmäßig genutzt wird; lagern wir alles aus, verkümmert er.

Fazit: Der ChatGPT-Selbsttest

Zum Abschluss haben wir die KI selbst gefragt. Ihr Urteil: KI macht uns nicht automatisch dumm, aber sie macht uns bequem. Um nicht den Anschluss an den eigenen Verstand zu verlieren, hilft dieser einfache Selbsttest:

  1. Hat die KI für mich gedacht oder mit mir gedacht?

  2. Könnte ich das Ergebnis erklären, verteidigen oder kritisieren?

Wenn du beide Fragen mit ja beantworten kannst, nutzt du die KI als Werkzeug und nicht als Ersatz für dein Gehirn.


Transkript: Staffel 2, Folge 1

Berny: Du Lars, ich muss sagen, es ist unglaublich schön, hier wieder mit dir vereint zu sein in unserem Podcast.

Lars: Das geht mir doch ganz genauso.

Berny: Und weißt du was? Wenn wir getrennt waren, das war eine sehr lange Zeit, da sind sehr viele Fragen durch meinen Kopf gegangen. Und du, Lars, eine Frage habe ich: Macht KI uns dumm?

Berny: Herzlich willkommen zurück bei Generation Generisch. Wir haben euch vermisst. Wir sind zurück mit einem neuen Konzept für die zweite Staffel in der ersten Folge. Wir beschäftigen uns mit der Frage: Macht KI dumm?

Berny: Was ist deine erste Reaktion auf die Frage?

Lars: Also eigentlich ja, direkt. Ich merke es gefühlt an mir selber, wenn ich als TikTok und Instagram Opfer durch meine Reels swipe. Ich habe das Gefühl, mein Intelligenzquotient nimmt pro 10 Minuten 3 Punkte ab.

Berny: Wieso das?

Lars: Instagram ist nur etwas für Leute, die weniger Hirnzellen vertragen können. Ich beschäftige mich mit denen, die belanglos und einfach dumm sind. Ich finde Sachen total lustig, die dumm sind. Deswegen intuitiv irgendwie schon.

Berny: Es ist spannend, weil ich eben auch das gleiche Gefühl habe. Mein erster Impuls war ja, aber der zweite Gedanke war: Ich glaube nicht, weil KI so schlau ist, sondern weil sie uns verführt, irgendwo nicht mehr selber zu denken. Dieses kleine, leichte Gefühl der Erleichterung, wenn man merkt, dass das ganze harte Erarbeiten, Recherchieren und Ausformulieren wegfällt. Das muss ich jetzt gar nicht mehr selber machen. Ist es eigentlich gut, dass ich das mache?

Lars: Wenn ich an mein Lehramtsstudium zurückdenke, da wird viel in Terminologien und Begriffen gedacht. Dumm würde für mich erst mal den Gegenpol zu Intelligenz implizieren. Was ist denn Intelligenz für dich?

Berny: Intelligenz bedeutet für mich Zusammenhänge zu erkennen. Daraus Dinge zu interpretieren, zu abstrahieren und dann in eigene Gedanken zu verfassen und vor allen Dingen auch zu kommunizieren. Das ist ein sehr starker Aspekt von Intelligenz. Es geht darum, seine Gedanken nach außen zu kommunizieren, untereinander zu interagieren und aus einem kleinen Gedanken etwas Größeres zu machen. Das ist meine persönliche Definition von Intelligenz. KI nimmt uns genau diese Dinge bei der Erstellung von Texten, Bildern und Videos ab. Hat Intelligenz auch was mit Wissen zu tun?

Lars: Intelligenz hat immer auch was mit Problemlösung zu tun. Die Anwendung in Bezug auf ein Problem ist ein großer Teil von Intelligenz. Wenn ich weiß, wie man Modelle wie ChatGPT oder Gemini bedient, bin ich dann dumm oder bin ich einfach nur faul?

Berny: Ich persönlich bin ein Mensch, der immer den Weg des geringsten Widerstands sucht.

Lars: Warum soll ich in die Arbeit laufen, wenn ich auch das Auto nehmen kann? Ich erwische mich selber, dass ich faul werde. Schmeiße ich einen Text nicht einfach in ChatGPT rein und sage: Kannst du mir den bitte grammatikalisch verbessern?

Berny: Das ist eine steile These, dass KI die digitale Disruption für faule Menschen darstellt. Ich glaube, der falsche Einsatz von KI macht dumm. Kennst du Situationen im Alltag, in denen du als Experte disqualifiziert wirst, weil Mitmenschen sagen: ChatGPT kann das bestimmt schon besser?

Lars: Täglich. Bei ChatGPT im Alltag geht es viel darum, Fakten und Informationen zusammenzutragen. Da bist du als Mensch raus.

Berny: Wir leben in einer beschleunigten Welt und sind mit so vielen Themen konfrontiert, dass KI Tools als Effizienz Tools genutzt werden, um die Masse an Informationen überhaupt verarbeiten zu können.

Lars: Beim reinen Faktenwissen sind wir raus. Aber vielleicht trauen wir uns wieder mehr, die menschliche Komponente zu zeigen. Wir sollten weniger Fakten auf eine Dummheit fokussieren. Uli Hoeneß hat Dinge einfach aus dem Gefühl heraus gemacht. Er hatte nie alle Informationen zur Hand. Es wird nie ein Modell geben, bei dem du zu 100 Prozent sagen kannst, dass es so wird.

Berny: Was Uli Hoeneß unterscheidet, ist, dass er eigene Erfahrungen gesammelt und Fehler gemacht hat. KI greift auf einen Erfahrungsschatz von Millionen Menschen zurück und muss die Fehler gar nicht mehr machen. Aber reale Erfahrungen zu machen und auch mal gegen die Wand zu laufen, macht uns zu Menschen. Wir haben schon immer das Denken delegiert, etwa beim Taschenrechner. In der Schule hieß es: Ihr werdet alle faul und dumm und nie mehr kopfrechnen können. Oder bei der Navigation: Früher hat man Karten genutzt oder jemanden gefragt.

Lars: In der Didaktik nennt man das Erfahrungslernen. Wenn wir nur noch beim Modell lernen, ist der Lerneffekt ein anderer. Wirkliche Konsequenzen spürt man am besten an sich selbst. Wer sich blind auf das Navi verlässt, landet vielleicht in Genua statt in Genf. Das hat auch was mit Dummheit zu tun.

Berny: Der Mensch ist eigentlich faul und sucht nach Effizienzgewinn. In der digitalen Kultur zählt der Output oft mehr als die Herleitung. Wir werden denkfaul und delegieren das Denken. Die Gefahr ist, dass wir aufhören, den inneren Dialog zu führen und uns selbst zu hinterfragen. Es wird einfach still im eigenen Kopf, wenn man Dinge nicht mehr selbst hinterfragt oder erlebt. Das macht einen hilflos.

Berny: Denken ist wie ein Muskel. Er bleibt nur so groß, wie er ist, wenn man ihn regelmäßig nutzt. Wenn du das nur noch auslagerst, verkümmert dein Denken.

Lars: Wir dürfen alles nutzen, müssen aber aufpassen, nicht gedankenlos und verantwortungslos zu werden.

Berny: Was sagt eigentlich ChatGPT zur Frage: Macht KI uns dumm?

Lars: KI macht uns nicht automatisch dumm, kann uns aber bequem machen. Sie nimmt uns kognitive Arbeiten ab, aber es gibt Effekte bei unreflektierter Nutzung, wenn wir nicht mehr tief durchdenken. Ein einfacher Selbsttest besteht aus zwei Fragen: Hat sie für mich gedacht oder mit mir gedacht? Und: Könnte ich das Ergebnis erklären, verteidigen oder kritisieren? Wenn ja, macht sie dich ziemlich sicher nicht dümmer.

Berny: Ein schöner Abschluss. Wir hören nicht auf zu denken. In diesem Sinne: Denkt nach, redet mit euch selber und reflektiert.

Lars: Genau, denkt mal drüber nach.